Im letzten Blogartikel haben wir uns schon mit Glaubenssätzen und Gewohnheiten auseinander gesetzt. Wenn du den noch nicht lesen konntest, dann lies ihn bitte zuerst. Hier geht es nämlich darum deine Glaubenssätze und Gewohnheiten ändern zu können. Da hilft es ungemein vorher ein Verständnis davon zu bekommen, welchem mächtigen Ding du dich da entgegen stellst. Wenn du den vorherigen Blogartikel gelesen hast, dann hast du dir auch hoffentlich die Zeit genommen dich intensiv mit deinen Zielen und dem zunächst anzugehenden Ziel auseinanderzusetzen. Du hast vielleicht auch schon ein ganz gutes Bild davon welche Glaubenssätze und Gewohnheiten deinem primären Ziel im Weg stehen? Super! Jetzt aber ans Ändern! Fast. Ein winziges bisschen Geduld braucht es noch. Vorher stellen wir uns nämlich folgender Frage:
Warum gibt es überhaupt Glaubenssätze und Gewohnheiten?
Unser Gehirn ist das Organ mit dem höchsten Energieverbrauch. Da ist es nur logisch, dass sich die Natur über die Jahrhunderte der Evolution gehörig was hat einfallen lassen, um diesen hohen Energieverbrauch zu senken. Man wusste ja zumindest damals nicht, wann und was es als nächstes zu Essen gibt, um die Energie wieder aufzuladen. Dann lieber sparsam mit den verfügbaren Ressourcen umgehen. Und da kommen jetzt unser Denken und unser durch das Denken gesteuertes Handeln ins Spiel. Je routinierter etwas abläuft, je automatisierter ein Prozess wird, um so weniger Energie wird benötigt, weil unser Gehirn diese Prozesse ins Unterbewusstsein verlagert und eben nicht jedes mal darüber nachdenken muss. Ganz schön schlau, oder? Dein Gehirn, und auch dein gesamter Körper, strebt an soviel wie möglich auf Autopilot umzustellen.
Jetzt erst kommen wir dazu, wie du deine Glaubenssätze und Gewohnheiten ändern kannst.
Du hast im Denken und Handeln tief ausgetretene Pfade vor dir. Über den dadurch soviel höher liegenden Wegesrand schreitest du nicht mal eben so drüber und wechselst die Richtung. Wenn du dir am Anfang zu viel vornimmst, dann ist die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns sehr hoch. Zack, bist du wieder zurück in die alte Spur gerückt. Es geht gerade hier also nicht um “quick & easy”, sondern um Geduld, Beharrlichkeit und Konsequenz. Das funktioniert am besten, wenn wir das in kleinen Schritten machen.
Legen wir also mit Glaubenssätzen los.
Die Änderung von Glaubenssätzen kannst du auch sehr gut in geänderte Gewohnheiten einbauen. Also ändern wir erstmal deine Denkgewohnheiten. Bislang wird es etwa so sein: Auf dich kommt eine Information, eine Situation zu. Wesentliche Elemente daran kommen dir bekannt vor und eh du dich versiehst, hat dein Gehirn schon Schlüsse gezogen und alles ist klar. Diesen Automatismus gilt es zunächst zu durchbrechen. Was dir dabei hilft ist Achtsamkeit. Die behandele ich gerne mal in einem späteren Blogartikel genauer. Hier erstmal soviel: gewöhne dir zunächst an, eine Wahrnehmung für die vielen Automatismen in deinem Denken zu entwickeln. Ging ein Denkprozess mal wieder besonders schnell ins Ziel, dann leg doch einfach mal den Rückwärtsgang ein. Frage dich welche Fakten tatsächlich vorlagen, welche Annahmen du getroffen hast. Diese gründen natürlich auf Erfahrungen, Erzählungen und ähnlichen Situationen. Nochmal den Blick auf die isolierten Fakten. Kann es auch ganz anders sein? Drehe einfach mal jegliche Annahme um 180 Grad.
Wow! Plötzlich sieht alles ganz anders aus.
Genau darum geht es. Übe so oft du kannst den Perspektivwechsel und werde ein unaufhörlich neugieriger Geist. Setze dir Denkanker. Schaffe neue Rituale, die dir helfen Situation auch nachträglich nochmal kritisch zu hinterfragen. Was helfen kann ist natürlich eine Verschriftlichung. Da haben nur sehr viele Leute keinen Bock drauf. Schaffst du das? Zum Beispiel durch ein Tagebuch? Dann setz dich abends hin, gehe Tagessituationen nochmal genau durch und forsche nach den jeweils getroffenen Annahmen und den Erfahrungen und Erzählungen dahinter. Lerne warum du wann wie denkst. Lerne dich selbst neu kennen. Die so neu gewonnenen Einsichten sorgen dann nach und nach auch für neue Glaubenssätze. Du kannst diesen Prozess durch eine wichtige neue Gewohnheit unterstützen.
Suche gezielt nach der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden.
Dabei geht es nicht darum zu überzeugen, sondern darum etwas lernen zu wollen. Im nächsten Schritt bist du gefordert aus diesem Thema eine neue Gewohnheit zu machen. Schon sind wir also bei Gewohnheiten und deren Änderung. Was da sehr hilfreich ist, ist die Kopplung eines neuen Verhaltens an Trigger, also an Auslöser, die jetzt schon als Teil deiner Gewohnheiten vorhanden sind. Nehmen wir mal den Plan ein Tagebuch zu führen. Diese neue Aufgabe hängst du jetzt ein eine direkt davor platzierte Gewohnheit. Du kannst zum Beispiel dein Abendbrot nutzen. Dann schreibst du in dein Tagebuch, bevor es Abendbrot gibt. Oder eben direkt danach. Dafür fällt in der Regel eine andere Gewohnheit weg, oder verschiebt sich. Es ist wichtig, dass du dir diese Tatsache bewusst machst.
Kleine Schritte große Wirkung.
Von ganz elementarer Bedeutung ist es in kleinen Schritten vorzugehen und so große Regelmäßigkeit sicherzustellen. Du schreibst also keine ganzen Romane in dein Tagebuch, sondern erstmal maximal drei Sätze. Welcher Glaubenssatz ist mir heute aufgefallen? Welche Erfahrungen oder Erzählungen, also Erfahrungen anderer, stecken dahinter? Wie sieht die Antithese dazu aus? Das reicht. Es geht also zunächst um einen einzigen Gedanken aus dem ganzen Tag. Wenn sich diese Gewohnheit genügend gefestigt, dann kannst du langsam anfangen den Umfang zu steigern. Steigerst du zu schnell, dann ist die Gefahr eines Abrisses groß. Dann muss es eherne Regel sein an der Gewohnheit festzuhalten, aber eben wieder in reduziertem Umfang. Ich sitze zum Beispiel regelmäßig auf der Rudermaschine, an festgelegten Wochentagen. Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich schlicht keine Lust habe. Dann ist der Grundsatz wenigstens kurz die Rudermaschine zu entern. Dann sind es eben nicht die üblichen 5 oder 10 Kilometer, sondern manchmal nur einer. Oft genug kommt dann der Appetit beim Essen, also der Spaß beim Rudern. Und schwupps, sind es dann doch 3 oder gar 5 Kilometer geworden.
Festgelegte Wiederholungen, bis eine neue Gewohnheit sitzt, sind übrigens Quatsch.
Man findet sehr viele Quellen, die eine bestimmte Wiederholungszahl behaupten, ab der sich eine neue Gewohnheit etabliert haben soll. Diese Behauptung basiert oft der gleichen, leider wie so oft fehlinterpretierten Studie. Da gibt es eine gute Parallele zu Glaubenssätzen. Diese bilden sich eben langsam durch wiederholte Erfahrungen oder Erzählungen, oder auch ganz traumatisch von jetzt auf gleich. Es hängt also von der Gewohnheit selbst ab, wie schnell diese zu einem dann wiederum nur schwer veränderbaren Bestandteil deines Alltags wird. So habe ich mir vor etlichen Jahren das Rauchen von einem auf den anderen Tag abgewöhnt. Jahre zuvor gab es dazu etliche erfolglose Versuche. Der Erfolg ergab sich aus einer tiefgreifenden Änderung meiner Glaubenssätze zum Thema Rauchen. So kann dir also die Änderung deiner Gewohnheiten durch die gleichzeitige Änderung deiner damit zusammenhängenden Glaubenssätze enorm helfen. Wie zum Beispiel denkst du über Süßigkeiten? Änderst du deine Einstellung dazu und änderst gleichzeitig die Gewohnheiten zum Thema, also kaufst konsequent keine mehr ein und änderst die Rituale, die bislang mit dem Konsum zusammenhingen, hast du deutlich höhere Erfolgschancen deine Ziele zu erreichen.
Rauchen, Essen, Bewegung… schau nochmal zurück! Ein Ziel nach dem anderen.
Bleibe also geduldig und beharrlich und vor allem nutze die Taktik der kleinen Schritte. Welche Erfahrungen zur Änderung deiner Glaubenssätze und Gewohnheiten hast du bisher gemacht? Welche Änderungen haben funktioniert? Was waren deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren?