“Was die Leute sagen…?”, kennst du diesen Satz? Kennst du ihn aus deinem Elternhaus, aus deinem Bekanntenkreis? Wie oft denkst du ihn selbst?

Eines der menschlichen Grundbedürfnisse ist Zugehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Das ist die Familie, genauso wie die Arbeitskollegen, oder auch die Zugehörigkeit zu einer Sportmannschaft und natürlich der ganz persönliche Freundeskreis. Aber auch die Zugehörigkeit zu Gruppen, die wir uns nicht unbedingt direkt als einen Teil der uns umgebenden Gemeinschaften wahrnehmen, wie die Nachbarschaft, befriedigen in uns das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Naja, und manchmal, wann immer wir die unausgesprochenen Regeln und Erwartungen einer Gruppe verletzten, gibt uns die jeweilige Gruppe eben auch eine Rückmeldung dazu. Diese Rückmeldung fällt regelmäßig so aus, dass unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit nicht erfüllt oder gar verletzt wird.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe war und ist ein Überlebensgarant.

Dabei war das in Urzeiten natürlich erheblich konkreter als heute. Ein Überleben war zu Zeiten der Jäger und Sammler ohne Zugehörigkeit zu einer Gruppe quasi nicht vorstellbar: Der Schutz vor Gefahren, die Beschaffung der Nahrung, Fortpflanzung, Schutz des Nachwuchses etc.. Alles Aufgaben, die ein einzelnes Individuum kaum bewerkstelligen konnte. Heute sieht in unserer zivilisierten und sogenannten entwickelten Welt natürlich vieles anders aus. Da ist das eremitenhafte Dasein durchaus ein überlebensfähiges Konzept. Letztlich natürlich auch nur, weil etliche Fragen der Infrastruktur und Sicherheit eben doch wieder durch die Gemeinschaft gelöst sind. Die Bedeutung der Zugehörigkeit zu einer oder mehrerer Gruppen war und ist für unser Überleben von so zentraler Stellung, dass dieses Grundbedürfnis sehr stark ist und wir deshalb sehr feine Antennen dafür entwickelt haben, wie unser Status zu einer Gruppe gerade ist.

Die meisten Signale zur Zugehörigkeit sind sehr subtil.

Genau deshalb deuten wir auch so vieles falsch, trotz der feinen Antennen. Überdeckt von der Informationsfülle und schieren Anzahl von Gruppen kommen unsere Instinkte an ihre Grenzen. Die Überschaubarkeit nur eines Familienclans in Urzeiten weicht eben von der Unübersichtlichkeit heutiger Konstellationen deutlich ab. Zu der Vervielfältigung der Gruppen im direkten Leben haben sich unzählige Möglichkeiten der digitalen Welt, der sogenannten “sozialen Medien” hinzugesellt.

Was an sozialen Medien tatsächlich noch sozial ist, darf durchaus hinterfragt werden.

So suchen wir also in unterschiedlichsten Konstellationen permanent nach Signalen der Zugehörigkeit oder drohender Ablehnung. Dabei nimmt natürlich unsere Familie eine besondere Rolle ein. Vielfach ist aber durch Kontaktarmut oder mehr oder weniger vollständige Auflösung dieser Gruppenstruktur der Bedarf an alternativen Gruppen groß. Wie viele Kinder wachsen heute in Klein- und Kleinstfamilien auf – oft ohne guten Kontakt zur übrigen Verwandtschaft. Da bieten sich natürlich Freundeskreise, aber insbesondere unser berufliches Umfeld als Ersatz oder ergänzende Gruppen an. Die dort Beteiligten stammen aber im Normalfall aus jeweils anderen Grundkonstellationen und so verhandeln wir permanent was der Zugehörigkeit zur Gruppe zuträglich ist, und was nicht. Genau deshalb fragen wir uns ständig “Was die Leute sagen…”.

Zugehörigkeit steht im Wiederspruch zum Grundbedürfnis nach Einzigartigkeit.

Neben diesen komplexen Gruppenkonstellationen arbeitet auch unser Grundbedürfnis nach Einzigartigkeit dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit entgegen. Wir möchten eben auch aus der jeweiligen Gruppe positiv herausstechen. Dabei gibt gleichzeitig die Gruppe selbst vor in welchem Ausmaß dies statthaft ist, ohne die Zugehörigkeit zur Gruppe zu verlieren. Nun gibt es Menschen, die von ihrer Bedürfnisstruktur stärker nach Zugehörigkeit streben und Menschen, die eher auf Einzigartigkeit setzen.

Konformismus ist ein sehr starker Erfolgsverhinderer.

Die Auseinandersetzung mit erfolgreichen Menschen zeigt eine auffällige Häufung im Zusammenspiel Zugehörigkeit und Einzigartigkeit: Erfolgreiche Menschen setzen stärker auf Einzigartigkeit und testen ständig die Belastbarkeit der Gruppe aus, wann sie den Punkt der Zugehörigkeit der Gruppe gerade noch nicht verlieren. Fühlen sie sich durch eine Gruppe in ihrer Entwicklung zu sehr beschränkt, dann wird der Bogen im Wechsel zu einer anderen Gruppe auch mal bewusst überspannt. Man könnte auch genauer formulieren, dass erfolgreiche Menschen bewusst nach Gruppen suchen, die in ihrer Zusammensetzung und Grundwerten die eigenen Zielsetzungen nicht behindern.

Also ergeben sich für dich auf dem Weg zum Erfolg folgende Fragen:

  • Was sind deine Ziele?
  • Beinhaltet mindestens ein Drittel der dich umgebenden Menschen, die schon erreicht haben, was du dir vornimmst?
  • Gehst du mit diesen Zielen über den Grundrahmen deiner wichtigsten Gruppen hinaus?
  • Falls nein: Sind deine Ziele groß genug für dich, oder geht da noch was?
  • Falls ja: Wo findest du die nächste Gruppe, die dich bei deinen Zielen weiterbringt – oder zumindest nicht zurückhält?
 

Schon die erste Frage ist natürlich die größte Herausforderung. Je stärker dein Bedürfnis nach Zugehörigkeit und je intensiver die Einbindung in deine wichtigsten Gruppen, umso mehr wirst du dich fragen: Was wohl die Leute sagen…? Und damit bleiben deine Zielsetzungen womöglich hinter deinen Zielsetzungen. Dahinter steckt eigentlich auch eher die Frage, ob deine Gruppe deine Zielsetzungen unterstützen wird, sie dem neutral gegenüber stehen, oder ob du mit Widerstand aus der Gruppe rechnen musst.

Auch deine jeweiligen Gruppen haben ein Interesse daran dich in der Gruppe zu halten.

Deshalb entstehen aus der Gruppe ganz natürliche Widerstände, die deiner allzu sehr wachsenden Einzigartigkeit im Vergleich zur Gruppe entgegen wirken. Manch guter Ratschlag geht dann in die Richtung, “die Kirche im Dorf zu lassen”, oder “es nicht zu übertreiben”, oder “dich nicht zu überschätzen”. Den meisten in der Gruppe wird dein Streben nach Einzigartigkeit bis an den Rand der Gruppe und darüber hinaus suspekt erscheinen, haben sie selbst diese Grenzen doch bislang nicht ausgelotet.

“Unbekanntes Land voraus.”

Genau deshalb ist die Orientierung am Normalzustand einer Gruppe für die Festlegung deiner Ziele ungeeignet. Gehe bei der Frage nach deinen Zielen zunächst ausschließlich von dir selbst und deinen potenziellen und objektiven Möglichkeiten aus. Und dann packe ruhig nochmal 10-15% oben drauf. Wir schätzen unsere Möglichkeiten nämlich regelmäßig zu gering ein. Erinnere dich an Situationen, in denen du auch nach deiner eigenen Wahrnehmung über dich hinaus gewachsen bist. Das hilft deine Ziele nicht zu klein anzusetzen. Erst nach Festlegung deiner Ziele wirf nochmal einen kritischen Blick auf die dich umgebenden Gruppen. Wo liegen deine Ziele außerhalb der Ziele und Denkmuster von mindestens zwei Drittel der jeweiligen Gruppe? Dort findest du deutliche Signale, eine große Taubheit oder Unempfindlichkeit bezüglich des Satzes “Was die Leute sagen?” zu entwickeln. Dann suche dir gezielt Gruppen, deren Zusammensetzung deutlich deinen Zielsetzungen entsprechen.

Manchmal muss man auch erst allein dastehen, bevor sich die richtige Gruppe zu den eigenen Zielen findet.

Und? Was sind denn nun deine Ziele?
Hast du eine Umgebung, die dich dort weiterbringt?
Welche Gruppe hast du für die Erreichung deiner Ziele schon verlassen müssen?
Wie hat sich das für dich vorher und danach angefühlt?

Teile deine Erfahrungen gerne mit den anderen hier. Vielleicht bilden wir dadurch eine neue Gruppe?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bleiben wir in Kontakt