Um in deinem Leben zu mehr Leichtigkeit zu kommen, ist die Bewältigung deiner Ängste ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste, Faktor. Erst wenn dir das gelingt, kannst du auch tatsächlich das Licht am Ende des Tunnels sehen – oder besser mehr als das.

Angst ist etwas Positives.

Zunächst einmal möchte ich dir aber zeigen, dass Angst grundsätzlich etwas Positives ist. Das klingt jetzt auf den ersten Blick absurd, wo du in so vielen Situationen spüren kannst was deine Ängste Negatives für dich bewirken. Sie halten dich davor zurück neue Erfahrungen zu machen, etwas zu riskieren. Zum Beispiel dadurch, dass du dich einem Konflikt stellst. Bislang hat deine Angst dich davor zurückgehalten, weil du womöglich Verletzungen in dir oder an deinem Körper befürchtet hast.

Es ist wichtig die Funktion der Angst von den Auswirkungen der Angst zu trennen.

Die Funktion der Angst ist schlicht Dich vor Gefahren zu warnen. Das ist ausschließlich positiv. Über die Auswirkungen der Angst auf dich und dein Leben, kannst du aber entscheiden. Das läuft natürlich regelmäßig unbewusst ab. Deshalb gilt es eben genau diese Auswirkung in dein Bewusstsein zu holen.

Angst kann dich lähmen.

Aber wie löst du denn nun die lähmende Wirkung der Angst konkret auf? Wie kommst du aus der Schockstarre ins Handeln? Wie lernst du das Licht am Ende des Tunnels zu sehen? Und genau da sind wir am wichtigsten Punkt angekommen.

Reicht es nur das Licht am Ende des Tunnels zu sehen?

Ich möchte dir diesen zentralen Punkt an einem ganz konkreten Beispiel näherbringen. Nein, eigentlich ist es kein Beispiel, sondern für mich eine ganz konkrete Erinnerung. Die Szenen haben so viel in mir verändert, dass ich bis heute auch noch kleinste Details zu diesen Momenten wie live vor mir aus dem Gedächtnis abrufen kann. Ihr spreche von einer der größten Angst, die dir als Unternehmer begegnen kann – der möglichen Insolvenz des eigenen Unternehmens.

Mit Blick auf dein Unternehmen kann dich kaum etwas so sehr beängstigen, wie die Zerstörung deines Lebenstraums durch eine Insolvenz.

Weil diese Angst so groß ist, sind viele nicht in der Lage über diesen Punkt ganz konkret hinauszudenken, sich der Angst durch Vorstellungskraft ganz konkret und detailreich zu stellen. Und weil das so schwer scheint, verharren eben die meisten in Schockstarre, oder zeigen massive Fluchtreflexe. Manche schalten auch reflexhaft auf Angriff um. Mehr bleibt unserem Reptiliengehirn ja auch nicht, wenn wenn wir es reell mit der Angst bekommen: Starre, Flucht oder Angriff. Da aber in so einem Fall gleich eine Vielzahl von Akteuren involviert ist, sind alle drei Optionen keine echte Wahl.

Es braucht mit einer drohenden Insolvenz vor Augen einen klaren Geist, Besonnenheit und ja, auch gerne etwas Leichtigkeit.

So, nun aber zum erwähnten Beispiel. Der massive Umbau unseres Unternehmens hat allen Beteiligten enorme Kraftanstrengungen abverlangt. Insbesondere hat dieser Umbau sehr an unserem Kapital gelehrt, denn wir mussten einige Jahre mit ganz erheblichen Verlusten hinnehmen. Weil wir in unserem Unternehmen beherztes Handeln und vor allem Geschwindigkeit so hoch halten, waren es dann auch sehr erhebliche Verluste in sehr kurzer Zeit. Das klappt natürlich auch nicht ohne einen guten Anteil individueller Fehler. Da die meisten davon mir gehören, die wichtigen Dinge macht der Chef natürlich selbst, kann ich das hier auch so frei erwähnen.

Jedenfalls kamen wir in unserer Bilanz dem vollständigen Verzehr unseres Eigenkapitals gefährlich nah. Das konnte unseren Bankpartnern nicht gefallen und ruckzuck standen die Abteilungen für Engagements mit besonderem Risiko auf dem Plan. Mir war klar, dass es in diesen Gesprächen buchstäblich um „Alles oder Nichts“ ging. Um dabei einen souveränen und klaren Kopf zu behalten, musste ich mich der Angst vor einer Insolvenz ganz konkret stellen.

Es ging um das berühmte Licht am Ende des Tunnels.

Oder eben genau darum nicht, denn das hätte nicht genügt. Ich habe mir also ganz konkret ausgemalt wie es denn wohl sein würde, wenn unserem Unternehmen nun eine der Banken das berühmte Stop-Schild vor die Nase stellt. Wie würde es sich anfühlen zum Amtsgericht zu gehen und einen Insolvenzantrag zu stellen? Verflixt, welche Unterlagen werde ich dann wohl benötigen? Meinen Ausweis ganz sicher, die Gewerbeanmeldung vielleicht? Zumindest dachte ich mir das so. In meiner Vorstellung waren es noch einige Unterlagen mehr.

Ich erinnere noch, dass ich in meiner Phantasie den Gang zum Amtsgericht tatsächlich zu Fuß und bei schönstem Sonnenschein erledigt habe. Keine Ahnung, warum meine Vorstellungskraft es zu so einem Ereignis nicht passenderweise hat regnen lassen. Ich schweife ab – entschuldige. Aber ich wollte dich nachfühlen lassen wie sehr konkret ich mir all das ausgemalt habe.

Für viele wäre hier wahrscheinlich Schluss mit der konkreten Gedankenreise. Vielleicht auch, weil sie meinen von hier aus das Licht am Ende des Tunnels zumindest schon erahnen zu können.

Für eine Verbesserung deiner emotionalen Verfassung reicht das jedenfalls nicht.

Also weiter im Kopfkino. Es schlossen sich quälend lange Wochen der Datenaufbereitung, Gläubigerverhandlungen und vor allem Mitarbeitergespräche an. Viele schwierig, aber manche auch mitmachend. Naja, so habe ich es mir eben vorgestellt. Das alles ganz konkret bis zu dem berühmten Tag, an dem man zum letzten Mal den Schlüssel im Schloss des Haupteingangs umdreht.

Puh. Das war für mich emotional der schmerzhafteste Punkt.

War denn jetzt Schluss mit der Gedankenreise? Nein. Ganz sicher nicht und genau das ist mein besonders wichtiger und ganz konkreter Rat an dich. Ich habe mir eben auch die Tage, Wochen und Monate danach ganz konkret ausgemalt. Und siehe da, oh Wunder… Es gibt ein Leben nach der Insolvenz- und was für eins! Ich durfte tatsächlich nochmal ganz von vorn anfangen. Anfangen mit etwas, das ich womöglich insgeheim schon immer unbedingt machen wollte.

Plötzlich waren die Bilder vor meinen Augen hell und freundlich.

Ich war komplett durch diesen dunklen Tunnel gegangen, nicht nur bis zum erkennbaren Licht. Nein, ich bin bis zum Ende des Tunnels gegangen und dann noch weiter. Bis in den warmen Sonnenschein, auf die Wiese voller Blumen. Die Bilder in meinem Kopf fingen an mir so gut zu gefallen, dass mir die Insolvenz fast wie eine Verlockung erschien. Oh mein Gott, STOPP. Jetzt aber mal ganz ruhig bleiben. So weit wollte ich es ja nun auch wieder nicht treiben. Das Wesentliche aber war gelungen. Die Insolvenz hatte ihren unfassbar großen Schrecken verloren und ich konnte mich nun mit klaren Geist und vor allem einer starken, souveränen Haltung an die Rettung des Unternehmens machen.

Die Versuche der Bank, meine Angst zu nutzen, um mir große Zugeständnisse zu deren gesteigerter Absicherung abzuringen, verfingen nicht. Auf Augenhöhe und mit großer Sachlichkeit konnten wir Vereinbarungen treffen, die beiden Seiten eine bessere Zukunft mit dem Unternehmen versprach, als ohne.

Ich war vollständig einmal durch meine Angst hindurch gegangen.

Wenn du also das nächste Mal das Licht am Ende des Tunnels siehst, dann weißt du, du hast noch eine ganz Strecke bis zur Blumenwiese vor dir. Und ich möchte dir dringend ans Herz legen diese Strecke auch wirklich detailreich bis dorthin zu gehen.

Und, wie bekämpfst du deine Ängste?

Was waren deine Schlüsselerlebnisse dazu?

Ich freue mich sehr, wenn du das hier mit allen teilen magst. Nutze dazu gerne den Kommentar.

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