Leichtigkeit ist der Schlüssel? Schlüssel wofür oder zu was?

Zu einem unbeschwerten Leben. Und das natürlich beruflich wie privat.

Aber Moment mal… Habe ich da nicht gerade ganz elegant Ursache und Wirkung vertauscht? Wie ist das denn nun? Ergibt Leichtigkeit ein unbeschwertes Leben oder umgekehrt? Nun, für mich ist das egal, denn diese Fragen bewegen sich etwa auf dem Niveau des Henne-Ei-Problems. Allerdings kannst du etwas ganz Entscheidendes dazu beitragen. Denn du entscheidest, ob du mit der Henne oder dem Ei den Kreislauf startest. Angenommen für dich ist die Henne die Leichtigkeit und das Ei ein unbeschwertes Leben. Klar kannst du ewig auf das Ei warten, um anschließend – wann auch immer das sein mag – dich über die Henne zu freuen, welche aus dem Ei geschlüpft ist. Du kannst dir aber auch so lange und intensiv eine Henne vorstellen, bis tatsächlich ein Ei vor dir liegt.

Wie ist das denn nun wieder gemeint?

Leichtigkeit ist nicht das Ergebnis, sondern eine Entscheidung. Du hast es immer in der Hand, wie du eine Situation bewertest. Entscheidest du dich alles mit Leichtigkeit zu nehmen, dann wird es auch leicht für dich sein. Achte doch mal ganz genau auf unsere Sprache. Sätze wie “ich sorge mich” oder “ich ärgere mich” sind auf dich selbst gerichtete Sätze. “Mama, mein Bruder ärgert mich immer.” ist letztlich als Satz nur möglich, weil du dich von deinem Bruder damals hast ärgern lassen. Auch wenn mich jemand beleidigen möchte, entscheide ich ganz allein darüber, ob ich dessen Satz als Beleidigung für mich überhaupt annehme. Darauf hat mein Gegenüber grundsätzlich keinen Einfluss. Du musst ja zunächst diesem Menschen und seiner Aussage das nötige Gewicht beimessen, bevor du eine Beleidigung als solche annehmen kannst. Das ist übrigens mit Lob und Anerkennung ganz genauso. Soweit ich das bislang beobachten konnte, sind Menschen allgemein viel besser darin den Lobenden und sein Lob Kraft eigener Entscheidung nicht gelten zu lassen, als sie dies bei einer Beleidigung oder Herabwürdigung sind.

Selbst schuld!

Genau. Wir haben es ja in der Hand. Also ist doch der erste Schritt zur Leichtigkeit alles um sich herum nicht mehr so schwer zu nehmen. Das hat übrigens nichts mit Leichtfertigkeit zu tun. Also schauen wir doch einmal genauer hin, wodurch Leichtigkeit verloren geht. Leichtigkeit – und deshalb gefällt mir die bildliche Analogie zu Schmetterlingen so sehr – fühlt sich an wie fliegen oder schweben. Es ist die Möglichkeit der allgegenwärtigen Schwerkraft zu trotzen. Neben unserem Körpergewicht haben wir dann noch zusätzlich jede Menge Dinge und Verantwortungen auf unsere Schultern geladen, um uns noch weiter “zu beschweren”, also am Boden zu halten. Insbesondere Materielles, jede Form von Besitz, also “mein Haus, mein Auto, mein Boot…”, bedeuten Verantwortung und Sorge um den Verlust dessen. Wer also viel hat, hat auch viele Sorgen es wieder zu verlieren. Das wirft doch ein ganz neues Licht auf die angebliche Leichtigkeit des Lebens der “Reichen und Schönen”, oder?

Es gibt immer etwas, das wir verlieren können.

Selbst wenn du nichts hast, dann hast du immer noch dein Leben, das du verlieren kannst. Demnach wird es so ganz ohne Sorgen nicht gehen. Aber auch hier stellt sich wieder die Frage danach wie du deine ganz individuelle Situation bewertest. Die glücklichsten Menschen, denen ich bislang begegnet bin, habe ich in einem der ärmsten Länder dieser Erde kennengelernt – Nepal. Dort waren es wiederum die Ärmsten unter ihnen. Armut macht nicht automatisch glücklich, sonst würden ja viele diesen Zustand anstreben. Und ganz klar ist ein Leben in Armut sehr beschwerlich. Dennoch ist dieses Leben eben frei von allerhand Verlustängsten. Was in extremer Armut bleibt, ist nur noch die Sorge um Gesundheit und schließlich das Überleben selbst.

Der größtmögliche Zustand der Leichtigkeit entsteht doch nach diesen Einsichten dann, wenn ich möglichst bescheiden in der Formulierung meiner Bedürfnisse bin und diese dann auch grundsätzlich befriedigen kann. Auf dem Weg dahin ist ein bekannter Leitspruch sehr hilfreich:

“Gott gebe mir die Kraft die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Er gebe mir die Gelassenheit die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Und er gebe mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.”

Häufig genug hapert es am dritten der formulierten Wünsche.

Wie siehst du deinen Besitz? Lust oder Last?
Über welche Dinge machst du dir Sorgen? (Aha, “Dinge”. Also meinen wir oft genug Materielles)
Gelingt es dir deinen Besitz stets als Geschenk anzunehmen, der bei Verlust auch nicht mehr, als einfach nur weg ist?

Ich freue mich auf deine Antworten.

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