Viele Menschen hadern mit Veränderungen. Sie fürchten sich davor, dass alles anders wird. Oder sie sind genervt von den ständigen Veränderungen. Und dabei wissen wir: Es bleibt alles anders. Gerade jetzt erleben wir wieder eine Zeit starker Veränderungen. Unser Bundeskanzler nannte dies Ende Februar “eine Zeitenwende”. Der vielleicht stärkste Ausdruck von Veränderung, denn gegenüber einer Zeitenwende nimmt sich eine Krise fast harmlos aus.

Wann wird wirklich “alles anders”?

Genau in dieser Frage liegt der entscheidende Punkt. Auch wenn es sich noch so sehr anfühlt, als ob alles anders würde, ist es immer nur ein Teil von Allem. Wir sind also gefordert, besser aufgefordert, uns einen klaren Blick für die Relationen zu bewahren. Also, nochmal nüchtern draufgeschaut auf diese ach so große Veränderung und eben gleichzeitig auf die noch viel, viel größere Nicht-Veränderung. Was wird anders und was bleibt wie es ist? Ich gehe mit dir jede Wette ein, dass du für zwei Listen von beiden Aspekten für die Nicht-Veränderungsliste ganz erheblich viel mehr Papier bräuchtest.
…oder doch nicht? Genau. Wenn du genau hinsiehst merkst du, dass nichts unverändert bleibt. Alles ist im Fluss, ständig.

Panta rhei. Alles fließt.

Wir halten erstmal zwei Erkenntnisse fest.
1. Die aktuell fokussierte Veränderung verändert viel weniger, als wir annehmen, weil so unfassbar viel davon gar nicht betroffen ist.
2. Insgesamt verändert sich ständig alles.
Um gerade der zweiten Erkenntnis zustimmen zu können, müssen wir uns des Faktors Zeit bewusst werden. Stellen wir den Betrachtungsrahmen auf der Zeitachse eng genug ein, dann scheint sich schlicht überhaupt nichts zu verändern. Öffnen wir diesen Rahmen allerdings auf unendlich, dann gibt es nichts, was konstant bleibt. OK, für Wortakrobaten und Spitzfinder hier die eine echte Ausnahme:

Nix is fix, außer der Veränderung selbst.

Wird also die konkrete, uns vielleicht bedrohende, Veränderung in ein Verhältnis zu allem anderen gesetzt, dann sehen wir, dass Veränderungen sehr stark vom betrachteten Zeitfenster abhängen. Beides kann getrost ignoriert werden, wenn die Wirkung der Veränderung unerheblich ist. Was ändert sich denn? Neben groß-klein, schnell-langsam kommt es demnach entscheidend auf den Inhalt an. Ein Aufstöhnen deines Kollegen, deiner Partnerin, oder von sonst wem á la “Och nö, schon wieder eine Änderung!” kannst du ja mal gezielt mit folgenden Fragen entkräften: Was genau ändert sich? Was ist schon da bzw. bleibt wie es ist? Welche konkreten Auswirkungen hat die Änderung für dich?
Ihr werdet gemeinsam feststellen, dass die jeweilige konkrete Veränderung immer nur ein Teilaspekt ist und weit weniger gravierend, als es sich zunächst anfühlt.

Nach der Wirkung kommt die Bewertung

Die Wirkung der Veränderung ist das eine, die Bewertung eine ganz andere Sache. Zunächst schauen wir auf die “dunkle Seite der Macht”. Wo genau liegt denn nun das Risiko in der Veränderung? Was ist daran so bedrohlich und was ist davon bedroht? Hier nun eine sehr wichtige und grundlegende Erkenntnis im Kontext von Unternehmen: Hat eine Veränderung ihren Ursprung in einer inneren Referenz, wird diese viel häufiger und intensiver als Bedrohung wahrgenommen. Mit “innere Referenz” ist gemeint, dass der Anlass zur Veränderung von innen heraus ausgelöst ist, also aus dem Unternehmen, regelmäßig der Chef oder eine Führungskraft. Fehlt jeder Zusammenhang zu einer äußeren Referenz, oder ist dieser Zusammenhang unzureichend erklärt oder schlicht an den Haaren herbeigezogen, spüren wir Menschen das und erkennen sofort den Unsinn und die Verschwendung hinter der Aktion.

Unabwendbarkeit mindert Widerstände

Ist der Ursprung der Veränderung zweifelsfrei mit einer äußeren Referenz verbunden, z.B. einem Kundenwunsch, Marktdruck oder politische Rahmenbedingungen, dann finden wir uns viel leichter mit der Unabwendbarkeit der Veränderung ab und sofort schaltet unser Fokus um auf Chance. Jede, wirklich jede Veränderung bietet auch Chancen. Tatsächlich überwiegen die Chancen sogar regelmäßig die Risiken. Dazu ist allerdings wieder der Faktor Zeit ganz entscheidend. Wer nicht unnötig lange mit seinem Schicksal und der akuten Veränderung hadert, der kann durch schnelles Umschalten entstehende Chancen aus der Veränderung viel schneller und intensiver nutzen, als andere. “Willkommen Veränderung! Ich bin gespannt was durch dich erst möglich wird.”

What´s in for me?

Jetzt sind Risiken und Chancen ja zunächst eine eher objektive Betrachtung der Folgen einer Veränderung. Zumindest möchte ich dir sehr anraten diese beiden Aspekte ganz bewusst auf dieser Ebene zu betrachten. Also ganz bewusst losgelöst von dir. Schaffe doch erstmal etwas Abstand zwischen dir und der Veränderung. Wenn du dir “das Ding” dann in Ruhe und nach dem hier beschriebenen Schema von allen Seiten angesehen hast, kommst du. Jetzt kommt die Frage nach dem Nutzen, dem direkten Nutzen für dich. Tatsächlich halte ich die Frage nach dem Schaden für überflüssig, ja sogar für falsch. Jede Veränderung hat grundsätzlich mindestens zwei Nutzen für dich. Sich lässt dich lernen und sie hilft dir nicht im Alltagstrott einzuschlummern. Ich bin mir zusätzlich sehr sicher, dass die Veränderung aber noch deutlich mehr Nutzen für dich bereithält.

Schau genau hin!

Die Betrachtung einer Veränderung lässt sich also so zusammenfassen:

  • Relation: Wieviel im Verhältnis zu allem ändert sich wirklich?
  • Zeit: In welchem Zeitrahmen ändert sich tatsächlich etwas?
  • Wirkung: Was ändert sich tatsächlich?
  • Risiko: Was genau ist von der Veränderung bedroht?
  • Chance: Was wird durch die Veränderung erst möglich?
  • Nutzen: Wie kann ich die Veränderung für mich selbst aktiv nutzen?

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Hier findest du noch einen Blogartikel, der gut zum Thema Veränderungen passt: https://www.humanunternehmer.de/glaubensgewohnheiten/