Angsthase, Pfeffernase…

"Angsthase, Pfeffernase...", kennst du diesen Spruch noch aus Kindertagen? Mir kam er erst vor kurzem wieder in den Sinn. Aber, von Anfang an. Ein Online-Vortrag mit einer zentralen Frage.

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“Angsthase, Pfeffernase…”, kennst du diesen Spruch noch aus Kindertagen? Mir kam er erst vor kurzem wieder in den Sinn. Aber, von Anfang an.

Ein Online-Vortrag mit einer zentralen Frage.

Vor ein paar Tagen hatte ich das Vergnügen einen online einen Vortrag vor Personalleitern zu halten. Das war ein sehr inspirierender Austausch, denn auch ich habe darauf eine Menge für mich mitgenommen. Man lernt eben nicht nur aus Aussagen und Ereignissen, sondern auch aus den Fragen anderer. So standen wir irgendwann gemeinsam vor einer ganz zentralen Frage, wenn man von den Ideen und Konzepten für ein Humanunternehmen ganz begeistert ist, aber gleichzeitig nicht die Person mit der ultimativen formalen Macht im Unternehmen ist.

Wie kriege ich nur meinen Chef dazu?

Da war es raus. Ein Teilnehmer hatte sich getraut diese Frage zu formulieren, erntete spontan Zuspruch und anschließend wir alle erwartungsvolles Schweigen. Ja, was sollte ich darauf antworten?

  • Wenn der Chef nicht will, dann hast du eben Pech gehabt.
  • Such dir lieber eine andere Firma, als dich daran aufzureiben.
  • Mit vereinten Kräften kriegt ihr diesen Bremser schon weg.

… und was mir sonst noch alles hätte einfallen können.

Stattdessen habe ich mich dafür entschieden die Teilnehmer zu einem Perspektivwechsel einzuladen.

Was könnte es denn für Gründe bei deinem Chef geben, um mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit für die eigenen Mitarbeiter abzulehnen?

Der virtuelle Raum füllte sich sichtbar mit Ratlosigkeit. Es ist Angst. Gerade Chefs haben vorwiegend zwei Ängste. Rechtfertigungsangst und Versagensangst. Besonders schwierig für Chefs ist, dass sie ihre Ängste mit so gut wie niemandem teilen können. Was denken meine Mitarbeiter, wenn ich mir so eine Blöße gebe? Ich bin doch Dreh- und Angelpunkt, Orientierungspunkt für diese. Auch zuhause oder im privaten Umfeld versuche ich in meinem Erfolg zu glänzen. Da stehen mir Satzanfänge mit “Ich habe Angst vor…” gar nicht gut zu Gesicht.

Der Rechtfertigungs-Angsthase:

Gerade wenn ein Chef nicht auch bestimmender oder gar alleiniger Gesellschafter des Unternehmens ist, hat auch dein Chef ein Chef. Das nemmt man dann Gesellschafter- oder Aktionärsversammlung, Aufsichtsrat oder andere Gremien. Je nach Größe und Bedeutung des Unternehmens kommt auch ganz schnell die Presse dazu und manche Chefs sehen sich auch dem Betriebsrat mit entsprechendem Rechtfertigungsdruck gegenüber.

Kaum bleiben irgendwelche Kennzahlen und Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück, gilt es erklären zu können warum. Und ungeachtet der gegebenen Erklärungen führen dann die Annahmen und Lieblingsthemen der so unterrichteten zu ganz eigenen Interpretationen. Beeindruckend, was da für Diskussionen entbrennen können. Dringt, wie so oft, davon was nach außen, heißt es schnell, dass der “Stuhl wackelt”.

Die Versagens-Pfeffernase:

Selbst wenn ich als Alleingeschäftsführer und Alleininhaber Rechtfertigung nur in sehr begrenztem Umfang fürchten muss, so kann ich der Versagensangst ganz bestimmt nicht entkommen. Je nach Prägung schwirrt deinem Chef dann ein “was die Leute sagen?”, “werde ich meine Freunde verlieren?”, “was macht das mit meiner Ehe?” oder “wie stehe ich vor meinen Kinder da?” durch den Kopf.

Diese Ängste mindern Risikobereitschaft und schließlich bleibt lieber alles wie es ist.

Natürlich bleibt auch dann nicht alles wie es ist. Dein Chef gibt dann lediglich das Heft des Handels an andere. Diese anderen sind dann zum Beispiel Mitarbeiter, du zum Beispiel, die sich dann doch entsprechend der oben gestellten Fragen für den Wechsel zu einer anderen Firma entscheiden. Wieder andere kommen erst gar nicht an Bord, weil sie sich vor der Vertragsunterzeichnung über entsprechende Portale ein Bild von Führung und Stimmung im Unternehmen gemacht haben.

Deinen Chef mit diesen Erkenntnissen “zu bedrohen”, trägt nur zu noch mehr Angst und Starrheit bei.

Besser ist es doch einmal genauer hinzusehen wovor dein Chef da konkret Angst hat, wenn er sich einem Mehr an Freiheit und Selbstbestimmung für die Mitarbeiter verschließt. Die Mitarbeiter könnten

  • die Freiheiten für egoistische Ziele und nicht die Firma einsetzen.
  • ihn, deinen Chef, für zunehmend unwichtig halten.
  • sich so selbstständig und erfolgreich verhalten, dass Shareholder ihn fragen wozu es ihn mit seinem hohen Gehalt denn noch braucht.
  • dem Chef den guten Draht zum Kunden nehmen und damit dessen Bedeutung oder Ansehen dort.

Die Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Die entscheidende Frage ist doch: Wie können Mitarbeiter, wie kannst du ganz konkret dazu beitragen, dass diese Ängste an Bedeutung verlieren. Vielleicht könnt ihr sie sogar ganz verschwinden lassen.

Freiheit will erkämpft oder erarbeitet werden.

Je nach Vertrauensbasis deinem Chef gegenüber kannst du natürlich auch ganz gezielt nach seinen Sorgen, Ängsten, Befürchtungen fragen. Das wird aber nur den wenigsten möglich sein. Signalisiere lieber, dass du bereit bist mehr Verantwortung zu tragen. Gibt deinem Chef die starke Sicherheit, dass du nicht nur das Ziel, die Prioritäten und Restriktionen kennst, sondern auch ein klares Bild vom Weg zum Ziel hast.

Fang mit kleinen Experimenten an. Weglassen von kleineren Regeln oder Berichten ist immer eine gute Idee. Beobachtet gespannt und gemeinsam was sich daraus ergibt. Entwickle als Team mit deinem Chef eine kindliche Freude am Experiment. Erst kleine Versuche und dann immer wagemutiger.

Der Weg zu einem Humanunternehmen, zu Agilität und new work, erfolgt nicht durch Umlegen eines Schalters. Es ist ein Prozess.

Geht diese Schritte gemeinsam und langsam. Mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit bedeutet vor allem mehr Verantwortung für Mitarbeiter. Zeigt euch bereit diese Verantwortung tragen zu wollen. So gewinnt ihr selbst Schritt für Schritt mehr Sicherheit und euer Chef gleich mit.

Dann bleibt noch die Sache mit der Fehlerkultur.

Auch das ist ein Prozess. Betont bei allem was nicht glatt läuft, oder so richtig in die Hose geht, welchen Nutzen das Unternehmen und auch der betreffende Mitarbeiter aus diesem Fehler zieht. In allen Fehlern liegen große Chancen. Diese gilt es aktiv zu nutzen, statt sich mit Schuld und Strafe aufzuhalten. Auch im Rahmen von Fehlern ist Verantwortungsübernahme Trumpf. Lasst den Chef nicht mit der Verantwortung für das Problem allein. Springt ihm und dem Fehlerverursacher bei. Zeigt, dass ihr ein Team seid, dass auch diese Verantwortung tragen kann.

Macht euren Chefs durch Verantwortungsübernahme Angebote im Bereich der Führung, die diese nicht ablehnen können.

Darauf zu warten, dass eure Chefs von allein die notwendige Risikobereitschaft, Freude an der stetigen Veränderung und ein zunehmendes Loslassen gewinnen, ist naiv.

Wenn ihr selbst unterstellte Mitarbeiter habt, dann lebt genau das vor, was ihr euch von eurem Chef wünscht. Wenn du glaubst, dass das in einem Teilbereich nicht funktionieren kann, dann empfehle ich dir ein kleines Büchlein: Gung Ho!.

Alternativ oder ergänzend empfehle ich dir natürlich auch einen Blick in mein Buch “Der Humanunternehmer – Neue Leichtigkeit für Unternehmen“. Womöglich ist genau das ein passendes Geschenk für deinen Chef, um einen guten Start ins Thema zu finden.

Was glaubst du, wovor z.B. dein Chef Angst hat?
Welche Angebote kannst du machen, um diese Angst zu verringern?
Welchen Nutzen hast du, wenn dein Chef weniger Ängste haben muss?

Nutze gerne für deine Gedanken die Kommentarfunktion. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

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