“Guildo hat euch lieb.” Die etwas älteren unter euch werden sich wahrscheinlich an diesen schrillen und bunten Auftritt vom selbsternannten Blödelbarden von 1998 erinnern. Alle anderen können sich den Auftritt hier nochmal anschauen: https://youtu.be/FDJBNgtXz8I. … So, jetzt hattet ihr ein wenig Spaß. Und genau darum geht es. Fühl nochmal rein. Ich weiß nicht wie es dir geht, aber Guildo ist für mich nicht direkt der Typ von dem ich unbedingt lieb gehabt werden möchte. Verzottelt und etwas verschwitzt hätte ich ihn weder beim ESC noch woanders gerne auf meinem Schoß sitzen gehabt. Und dennoch kommt seine Botschaft bei mir an.

Guildo hat mich lieb.

Ich fühle mich von ihm lieb gehabt. Warum? Na ganz einfach, weil er es ohne Umschweife so direkt und authentisch sagt. Wer sich an Guildo Horn und das Ende des letzten Jahrtausends noch gut erinnern kann, der kann das evtl. nachfühlen. Guildo Horn war bei allen Auftritten immer ein bisschen verrückt, nie bösartig oder spitzzüngig. Ich habe ihm immer geglaubt, dass er die Menschen in seiner Umgebung wirklich lieb hat.

Was genau steckt hinter “ich hab euch lieb”?

Es ist Zuneigung, also bezieht sich der Mensch, der mir oder einer Gruppe dies sagt direkt auf mich oder diese Gruppe. Ich bin gemeint. Ich bin gesehen worden. Ich bin als sympathisch erkannt worden. Ich bin anerkannt worden für meine Art, mein Wirken oder einfach nur als Mensch. Soetwas macht immer einen glücklicheren Menschen aus mir. Je nach Bezug zur aussprechenden Person und dem Kontext macht mich das mal mehr und mal etwas weniger glücklicher. Glücklicher als davor macht es mich aber immer und in jedem Fall.

Wenn diese Aussage nicht aus vollem Herzen kommt, dann allerdings ist sie gefährlich.

Dann wirkt sie verlogen, zynisch oder sogar direkt als Beleidigung. Wie aber verhinderst du, dass diese Aussage nicht aus vollem Herzen kommt? Das ist sehr einfach. Verlasse dich auf dein Bauchgefühl. Fühlst du diese Zuneigung tatsächlich? Erkennst du die angesprochenen Menschen wirklich an? Wertschätzt du das was diese Menschen ausmacht, was sie leisten, was sie für dich und dein Fortkommen bedeuten? Dann ich dieser Satz die ehrlichste und direkteste Art dem einfach Ausdruck zu verleihen.

Ich hab euch lieb!

Das einfach so rauszuhauen, dem stehen so viele Glaubenssätze und Konventionen entgegen. Ich hab euch lieb. ich hab dich lieb. Au weia, in der direkten “Du”-Ansprache ist ja auch noch die Gefahr, dass das als sexuell übergriffig missverstanden wird. Noch deutlicher wird das, wenn man es in der Formulierung zu “ich liebe dich” steigert. Dem kann man nur durch eine klare und vollkommen unzweifelhafte Körpersprache entgegenwirken. Oft machen wir es aber eher umgekehrt. Wir sind verbal zu reduziert und körpersprachlich bisweilen zu nah.

Und bei der Arbeit?

Auch und gerade bei der Arbeit gibt es keinerlei Grund für Zurückhaltung echte Wertschätzung und Zuneigung zu zeigen. Deine Mitarbeitenden und Kollegen schaffen mit dir zusammen etwas Großartiges. Gemeinsam sorgt ihr für Kundennutzen. Dann bitte zeige doch, dass du dir dessen voll bewusst bist und wie sehr du das wertschätzt. Es gibt kaum mal eine Betriebsversammlung wo mir ein echtes “ich hab euch lieb“ nicht über die Lippen kommt. Es gibt nicht einen einzigen Grund, dies zurückzuhalten. Wenn der Rahmen für ein direktes “Ich hab euch lieb.” oder “Ich hab dich lieb.” noch nicht gesetzt ist, dann fange langsam an. Beginne mit schwächeren Formulierungen wie “Ich weiß sehr zu schätzen, was du für die Firma und unsere Kunden leistest.” Sei immer möglichst konkret. Dann ergänze das gerne mit “Nussecken und Himbeereis” wie es Guildo uns vorschlägt. Kleinigkeiten sind trumpf. Keine großen Taten, Aussagen oder Geschenke. Lieber jeden Tag eine Kleinigkeit.

Dann geschieht nach und nach das Wunder.

Das Wunder ist die Erwiderung. Plötzlich steht auch mal eine Süßigkeit auf deinem Schreibtisch. Ein Lächeln auf dem Gesicht deines Gegenüber wird häufiger, weil du damit angefangen hast. Menschen sind für Zuneigung, Anerkennung und Lob in unbegrenztem Maß aufnahmefähig. Solange es von Herzen kommt, gehst du damit keinerlei Gefahren ein. Du kannst nur gewinnen. Und deine Mitarbeitenden genauso.

Deine Mitarbeitenden haben dein Lob nicht verdient?

Das ist mit absoluter Sicherheit die denkbar krasseste Fehlannahme. Dann hast du nur nicht genug hingesehen. Schau genau hin, es gibt immer was zu loben und anzuerkennen. Schraub einfach mal deinen Maßstab etwas runter. Nicht deinen Leistungsanspruch, aber die Messlatte bis dir Anerkennung oder ein Lob über die Lippen kommt. Lobe den Alltag, denn auch der kostet Anstrengung – jeden Tag aufs Neue.

Vorsicht ist geboten.

Eine schwierige Angelegenheit und nur für Erfahrene ist das zielgerichtete Lob. Der Inhalt liegt nur eine Nuance oberhalb der Wirklichkeit und zeigt auf die zu erreichende nächste Stufe. Richtig dosiert setzt du so ein starkes Signal, dass eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter in deinen Augen das Potenzial für das nächste Level hat. Dann lobst du etwas, dass in deiner Wirklichkeit so gut wie da, aber eben noch nicht 100% erfüllt ist. In den Augen deiner Mitarbeiterin z.B. ist das gewiss noch nicht so. Ist der gewählte Abstand nicht zu groß, macht es der Mitarbeiterin Flügel. Übertreibst du auch nur ein winziges bisschen, richtest du Schaden an eurer Beziehung an.

Du möchtest mehr darüber erfahren wie du zum Lobinator werden kannst? Schau dir gerne diese vorherigen zwei Blogartikel zur Abrundung an:
Leichtigkeit ohne Leichtfertigkeit
Gehaltfreie Kommunikation

Anschließend lade ich dich herzlich ein mit mir direkt in Kontakt zu treten. Nutze die Mailadresse auf dieser Seite, das Kommentarfeld direkt hier unten oder besuche einen meiner nächsten Vorträge. Es ist kein Vortrag in deiner Nähe? Kein Problem. Emphiel mich gerne für geeignete Veranstalter in deiner Nähe, oder frage mich für einen Vortrag in deinem Unternehmen an.

Nicht vergessen: Guildo hat euch lieb… Achja, und ich euch natürlich auch ;o).